Bernried.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtete die Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Landkreis Cham das aktuelles Jahresthema „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt“ der Diözese. Zahlreiche Interessierte folgten der Einladung von Diözesanvorsitzendem Max Hastreiter zur KLB Bernried in das Dorfgemeinschaftshaus. Für die Gestaltung des Abends konnten der ehemalige Bildungsreferent Bernhard Suttner aus Windberg sowie Bettina Schönherr von der Diözesanstelle gewonnen werden.
Einstieg mit Fragen, die bewegen
Zum Auftakt führte Bettina Schönherr mit einer kurzen Lockerungsübung in Form eines „Speed-Datings“ in das Thema ein. Die Teilnehmenden tauschten sich dabei über anspruchsvolle Fragen aus, etwa: – Was macht den Wert eines Menschen aus? – Unter welchen Bedingungen halten Menschen zusammen? – Worin unterscheidet sich Liebe von Liebe?
Anschließend wurden die gemeinsam erarbeiteten Gedanken und vorbereitete Flipcharts vorgestellt. Ein „Meinungsstrahl“ bot zudem Gelegenheit, Position zu verschiedenen Aussagen zu beziehen – etwa zur Unantastbarkeit der Menschenwürde oder zur Verantwortung des Staates für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Suttner: „Schwere Themen, an denen man sich reiben darf“
Im Hauptteil des Abends referierte Bernhard Suttner in gewohnt kurzweiliger Weise über die drei Leitbegriffe des Jahresthemas. Bereits in der Gruppenarbeit sei deutlich geworden, so Suttner, dass sich die KLB bewusst mit anspruchsvollen Themen auseinandersetze.
Zur Einstimmung beschäftigte sich die Runde mit Artikel 117 der Bayerischen Verfassung, der den „ungestörten Genuss der Freiheit“ an die Bereitschaft knüpft, Grundregeln einzuhalten und zum Wohl der Gemeinschaft beizutragen. Freiheit könne nur dort bestehen, wo Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Fähigkeiten einbringen.
Suttner zeigte auf, wie eng die Bayerische Verfassung mit der katholischen Soziallehre verbunden ist. Deren Ziel sei das Allgemeinwohl, getragen von den Prinzipien Subsidiarität, Solidarität und Personalität. Der Mensch sei mehr als ein biologisches Wesen – er sei „Abbild Gottes“ und damit Träger unveräußerlicher Würde.
Menschenwürde beginnt im Kleinen
Besonders eindrücklich schilderte Suttner, wie früh und wie oft Menschenwürde verletzt werde – häufig bereits im Alltag, etwa in Eltern- oder Klassenchats. Auch die Würde eines Straftäters bleibe unantastbar, erinnerte er mit Blick auf das Grundgesetz. Viele heute selbstverständliche rechtliche Standards – wie geschlechtsneutrale Stellenausschreibungen oder das Verbot der Gewalt in der Erziehung – seien erst spät eingeführt worden. Religiös begründete Menschenwürde sei zunehmend in bürgerliches Recht übergegangen.
Christinnen und Christen seien daher „Anwälte der Menschenwürde“, betonte Suttner und verwies auf Matthäus 25: „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“
Nächstenliebe braucht Selbstachtung
Nächstenliebe beginne bei einem guten Verhältnis zu sich selbst, führte Suttner weiter aus. Das Gegenteil von Nächstenliebe sei nicht Selbstliebe, sondern Egoismus. Wer die Welt aus dem Blickwinkel anderer betrachte, handle solidarisch. Das Zweite Vatikanische Konzil fordere dazu auf, über eine rein individualistische Ethik hinauszugehen – Entscheidungen hätten immer Auswirkungen auf das Umfeld.
Zusammenhalt – Licht und Schatten
Auch der Begriff „Zusammenhalt“ habe zwei Seiten. Er könne Menschen stärken, aber auch ausgrenzen. Suttner erinnerte an Fälle sexualisierter Gewalt, in denen Betroffene nicht nur dem Täter, sondern auch einem schützenden Umfeld ausgeliefert gewesen seien. „Chorgeist“ könne sowohl tragen als auch zerstören.
Insgesamt funktionierten Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt nur gemeinsam. Der gesellschaftliche Zusammenhalt sei jedoch gefährdet, wenn der Blick zunehmend auf das Trennende statt auf das Verbindende gerichtet werde.
Abschluss mit nachdenklichem Impuls
Zum Ende zitierte Suttner einen bulgarischen Schriftsteller: „Die große Schuld des Menschen sind nicht seine Sünden, sondern dass er die Umkehr in sich trägt und sie nicht vollzieht.“
Der Abend bot den Teilnehmenden zahlreiche Denkanstöße und zeigte, wie aktuell und herausfordernd das Jahresthema der KLB ist.












